1. Informationen zur Masterstudienplatzklage

Hier sind alle Studierenden nach Abschluss eines Bachelor-Studiums richtig, die sich erfolglos auf einen Masterstudienplatz beworben haben und nach einer Lösung für dieses Problem suchen, die sich vor der Bewerbung auf einen Masterstudienplatz informieren möchten, wenn zum Beispiel eine Abweisung befürchtet wird.

Einleitend soll erklärt werden, dass die Bewerbung auf einen Masterstudienplatz und eine mögliche Klage auf einen solchen etwas Besonderes ist und juristisch neue Fragen aufwirft. Die klassische Ausgangssituation für eine Studienplatzklage ist die Versagung eines Studienplatzes für ein Erststudium. Zulassungskriterium ist dann in aller Regel die Durchschnittsnote des Abiturs oder die Wartezeit.

Eine Studienplatzklage ist allerdings nicht ausschließlich in dieser Situation zu Beginn des Studiums möglich. Eine Studienplatzklage ist auch dann möglich, wenn der Studienplatz für einen Master-Abschluss versagt wurde. Durch den sogenannten „Bologna-Prozess“ und die dadurch bedingte Vereinheitlichung der Hochschulabschlüsse in der Europäischen Union hat sich nämlich eine neue Ausgangsituation ergeben. Früher wurde ein Studium in Deutschland mit einem berufsqualifizierenden Abschluss beendet. Dies war entweder ein Diplom, ein Magister oder ein Staatsexamen. Nach der Zulassung zum ersten Semester gab es somit keine weiteren Zulassungshürden mehr, diesen berufsqualifizierenden Abschluss zu erreichen.

Durch den Prozess der europäischen Einigung ist diese komfortable Situation bis auf Weiteres nicht mehr aktuell. In nahezu allen Studienfächern wurde das System der Abschlüsse inzwischen auf den europaweiten Standard umgestellt. In einem ersten Schritt muss jetzt ein sog. Bachelor-Abschluss erlangt werden. Mit diesem Abschluss ist das Studium zunächst beendet und der Student hat einen ersten „berufsqualifizierenden“ Abschluss erlangt. Dabei kann heute allerdings noch nicht eindeutig bestimmt werden, welchen Wert dieser Abschluss tatsächlich hat. Deutsche Arbeitgeber sind auf Studenten mit einer solchen Bachelor-Qualifikation zur Zeit noch nicht eingestellt. In BWL beispielsweise entspricht dieser Abschluss – jedenfalls nach Auffassung vieler Arbeitgeber - dem Stand des früheren Vordiploms. Ein Bachelor-Abschluss in Rechtswissenschaften ist fast vollständig wertlos.

Wenn das Studium dann mit dem Bachelor-Abschluss beendet bzw. abgeschlossen wurde, muss der Student sich erneut bewerben. Diese zweite Bewerbung bezieht sich dann auf den Masterstudiengang und soll zu einem weiterführenden Master-Abschluss führen. Erst dieser Abschluss ist mit dem früheren deutschen Diplom vergleichbar. Ein Problem ergibt sich aber für die meisten Studenten dadurch, dass die Universitäten sehr bewusst eindeutig weniger Masterstudienplätze anbieten, als notwendig wären, um den meisten Studenten mit Bachelor-Abschluss die Weiterführung ihres Studiums zu ermöglichen. Dies führt dazu, dass die Bewerbung um einen Masterstudienplatz für viele Studenten scheinbar aussichtslos ist. Das Studium droht somit „auf halber Strecke“ zwangsweise beendet zu werden.

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2. Die Masterstudienplatzklage

Du solltest es keineswegs hinnehmen, dass die Universität Dir den Anspruch auf ein Masterstudium mit einer rechtswidrigen Auswahlentscheidung nimmt. Um dies zu verhindern, steht Dir die Möglichkeit offen, die Hilfe der Verwaltungsgerichte in Anspruch zu nehmen. Für die Erhebung einer solchen Masterstudienplatzklage ist es ratsam, einen erfahrenen Rechtsanwalt zur Rate zu ziehen. Wichtig ist insbesondere die Einhaltung von bestimmten Fristen und Formalien bei der Klageerhebung. Eine verspätete Erhebung kann die Erfolgsaussichten gefährden.

Es ist schon generell problematisch, die Zulassung zu einem weiterführenden Masterstudium an eine erneute Bewerbung zu knüpfen. Nach der bisher in Deutschland geltenden Praxis hat jeder Abiturient das Recht, sein Studium frei zu wählen. Somit muss jeder Bachelor-Absolvent die Möglichkeit haben, sein Studium bis zu einem Master-Abschluss fortzusetzen zu können. Aus diesen Grundsätzen ergibt sich der Anspruch auf den Zugang zum Masterstudium, der durch die Erlangung eines Bachelorabschlusses keineswegs verbraucht ist und eine Masterstudienplatzklage ermöglicht.

Nach der aktuellen Entscheidung des Verwaltungsgerichts Münster (Beschluss vom 15. November 2010 Az.: 9 L 529/10) muss die Durchschnittsnote des Bachelor-Abschlusses das entscheidende Kriterium einer Auswahlentscheidung sein. Außerdem bestehen noch zahlreiche andere Voraussetzungen, die von der Universität beachtet werden müssen. Das Gericht kann am Ende eines solchen Verfahrens somit entscheiden, dass der freie Zugang zu einem Masterstudienplatz zu Unrecht durch die Universität verhindert wurde und dem Kläger einen solchen Studienplatz zusprechen.

Auch nach einem Bachelor-Studium ist eine Studienplatzklage somit möglich. Sollte nach dem ersten Abschluss die Bewerbung zu einem Master-Studium abgelehnt worden sein, so ist eine Studienplatzklage eine Möglichkeit, das Studium doch noch fortzusetzen. Die Erfolgsaussichten einer solchen Klage sind gut und wahrscheinlich sogar besser, als bei einer „klassischen“ Studienplatzklage.

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3. Auswahlverfahren

Die Universitäten treffen unter den Bachelor-Absolventen eine eigenständige Auswahlentscheidung, wer zu einem Masterstudiengang aufgenommen wird und wer nicht. An dieser Auswahlentscheidung scheitern viele Bewerber. Dabei sind die Auswahlverfahren der Universitäten äußerst unterschiedlich und die angewendeten Kriterien teilweise willkürlich. Es wird keineswegs nur nach der erlangten Durchschnittsnote des Bachelor-Abschlusses entschieden, sondern es werden zahlreiche andere Kriterien in die Auswahlentscheidung integriert. Die Spannbreite reicht von der Durchschnittsnote des Abiturs über ein „besonderes Engagement“ im bisherigen Studium bis zu einer beruflichen Tätigkeit. Häufig werden auch Aufnahmetests durchgeführt.

Das Verwaltungsgericht Münster hat aber in einer aktuellen Entscheidung vom 15. November 2010 (Az.: 9 L 529/ 10) entschieden, dass die Qualifikation aus dem ersten berufsqualifizierenden Abschluss ein maßgeblicher, sich gegenüber anderen rechtmäßigen Kriterien durchsetzender Einfluss zukommen muss. So sieht es auch das Verwaltungsgericht Mainz in seiner Entscheidung vom 14. Juni 2010, in der die Bachelor-Note als rechtmäßiges und maßgebliches Kriterium bezeichnet wird.

Diese Aspekte werden häufig von den Universitäten missachtet, so dass die Auswahlverfahren der Universitäten meist rechtswidrig und angreifbar sind. Dies ergibt sich zumeist aus den jeweiligen Landeshochschulgesetzen. Nach diesen dürfen nur eine kleine Auswahl von Kriterien für die Auswahlentscheidung herangezogen werden und es muss zudem ein bestimmtes Verfahren beachtet werden.

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4. Verfahren vor Gericht

Im Ergebnis kann das Gericht dem Kläger einen Masterstudienplatz zusprechen, wenn die Klage erfolgreich ist. Dann kann der Kläger in seinem Wunschfach einen Masterabschluss erreichen. Möglich ist natürlich auch eine Klagabweisung. Häufig steht am Ende eines Verfahrens aber auch ein Vergleichsangebot der Universität, durch das der Kläger den begehrten Studienplatz erhält und den angestrebten Masterabschluss erlangen kann.

Die Dauer eines solchen Klageverfahrens ist schwer abzuschätzen, da die Gerichte nicht einheitlich schnell arbeiten. Es ist in aber mit einem Abschluss innerhalb weniger Monate zu rechnen. Diese relativ kurze Zeit ergibt sich daraus, dass keine „Klage“ im eigentlichen Sinne erhoben wird. Um das Verfahren möglichst kurz zu halten wird ein sogenanntes Eilrechtsverfahren angestrengt. Dies ergibt sich daraus, dass mit dem Beginn des Semesters der Anspruch auf einen Studienplatz nicht mehr viel wert ist. Spätestens mit dem Beginn der Vorlesungen muss die Zulassung erfolgt sein.

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